Herkules (Herakles)
Bestens sichtbar in Europa: Fruehling, Sommer und Herbst

Lehnen sie sich zurueck und geniessen Sie die nun folgenden
Zeilen - denn dieses Sternbild ist so alt, dass selbst die antiken
Griechen anfangs nicht wussten, wo sein geschichtlicher
Ursprung liegt.
Es war klar, dass dieses Sternbild einen grossen Helden darstellt
- und die griechische Sagenwelt (ebenso wie spaeter die Roemer)
kannten niemand groesseren als Herkules. Einst war Zeus wieder
auf Geschaeftsreise, da traf er Alkmene, die schoenste und kluegste
der sterblichen Frauen.
Um sie rumzukriegen verwandelte sich Goettergatte Zeus schnell in
den Mann der Alkmene ... der Anbeginn des Herkules. Sein erster
Name war uebrigens Alkides oder Palaimon. "Herkules" wurde erst
spaeter sein Kuenstlername.
Als Zeus den unehelichen Sohn auch noch heimlich an die Brust
seiner stets zu Recht eifersuechtigen Frau Hera legte,
ueberspannte er den Bogen. Klein-Herkules war durch die goettliche Muttermilch
zwar unsterblich, aber stand auf Heras Abschussliste ganz oben.
Toeten konnte sie ihn nicht, doch sein Leben sollte kein
Zuckerschlecken werden...
Herkules wurde ein sehr großer, starker Mann, gruendete eine
Familie. Doch ein boeser Zauber von Hera liess ihn eines Tages
Amok laufen und seine gesamte Familie ausloeschen. Als er wieder
bei Sinnen war, wollte er unbedingt bereuen und befragte das
Orakel von Delphi.
Dieses schlug ihm vor, 12 Jahre in die Dienste des Koenigs von
Mykene, Eurystheus, zu treten. Und weil es schon dabei war, gab
es ihm den Namen Herakles, "Ruhm der Hera".
Eurystheus strich seinem neuen Angestellten gleich mal den
Jahresurlaub und gab ihm 10 Aufgaben...
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1.)
Um die Stadt Nemea schlich damals ein gewaltiger Loewe, der alle
Menschen in Furcht und Schrecken versetzte. Herkules hatte diesen
zu beseitigen. Als sich die Bestie (uebrigens im Sternbil Loewe
verewigt) und der Held gegenueberstanden, spielten sich
dramatische Szenen ab: Herkules schoss eine ganze Salve von
Pfeilen gegen das Tier. Da sich der Loewe aber seit fruehester
Jugend nicht gewaschen hatte, war sein Fell kugelsicher.
Herkules musste sich auf einen Baum retten, sprang herunter und
erwuergte den Loewen. Mit dessen eigenen Klauen zog er ihm das
Fell ab und trug es seitdem als Mantel. Und aus dem Kopf fertigte er
sich einen Helm.
2.)
Die zweite Aufgabe bestand darin, das vierkoepfige Ungeheuer
Hydra zu vernichten. Es lebte in einem Sumpf nahe der Stadt Lerna und frass bei Bedarf
Reisende. Herkules begann sofort einen Kampf. Zu seinem Pech
wuchsen dem Ungeheuer zwei Koepfe nach, wo er ihm einen
abschlagen konnte...
Zu allem ueberfluss kam dann auch noch ein grosser Krebs
(Sternbild Krebs) und biss den Helden in die Ferse. Da wurde
Herkules wirklich sauer, kickte den Krebs fort und rief Iolaos,
seinen Wagenlenker, zu Hilfe. Dieser brannte die Halsstuempfe der
Hydra aus, so dass keine Koepfe mehr nachwachsen konnten. So
gewann er auch diesen Kampf. Am Ende tauchte er seine Pfeile in
das giftige Blut der Hydra.
3. und 4.)
Die naechsten Aufgaben sind weniger spektakulaer: Er fing eine
Hirschkuh mit goldenem Geweih und einen wilden Eber.
5.)
Schon Halbzeit? Nicht wirklich, denn nun kommt die wohl
beruehmteste Aufgabe des antiken Helden: Das Ausmisten der
Staelle des Augeias von Elis.
Koenig Augeias hatte einen gigantisch grossen Stall mit
unzaehligen Tieren darin. Und dreckig war es ohne Ende. Also schlossen die
beiden einen Deal ab: Herkules versprach, die Staelle an einem
einzigen Tag zu reinigen - und der Koenig sollte ihm dafuer 1/10
seiner Tiere geben.
Einverstanden. Anstatt sich nun mit Kehrschaufel und Putzeimer zu
bewaffnen, machte Herkules kurzen Prozess: Er leitete zwei
Fluesse durch die Staelle. Als die Arbeit getan war, hielt sich der
ehrenwerte Koenig jedoch nicht an die Abmachung und Herkules ging
leer aus...
6.)
Die naechste Mission Impossible: In der Stadt Stymphalos trieben
boese Voegel ihr Unwesen. Nicht nur, dass sie uebel pickten,
nein, sie schossen auch mit Federn. Kombiniert mit einem fiesen Wind
(gesponsert von Zeus) konnte Herkules viele von ihnen toeten. Die
anderen flohen ans Schwarze Meer. Hier griffen sie spaeter Jason
und die Argonauten an - aber das ist eine andere Geschichte.
7.)
Als naechstes segelte Herkules nach Kreta, um einen
feuerschnaubenden Stier zu erledigen, der das Land tyrannisierte.
Manche sagen, es handle sich hierbei um den Stier im Sternbild
Stier, doch wer weiss.
8./9.)
Diese Geschichten erzaehlen die Griechen schnell: Herkules
infiltrierte Koenig Diomedes und stahl dessen fleischfressende
Stuten. Dann noch schnell ein Abstecher zu den Amazonen (Herkules
geriet ja bekanntlich immer an die falschen Frauen), denen er
einen Guertel (der Guertel Hippolyte) entwendete.
10.)
Dann wurde Herkules ausgeschickt, um das Vieh des Geryon zu
stehlen. Geryon war ein Ungeheur mit ueblem Mundgeruch und drei
Leibern, das ueber eine Insel im Westen herrschte.
Weit im Westen. Herkules war einige Zeit unterwegs. Zwischendurch
stellte er an der Strasse von Gibraltar die sogenannten "Saeulen
des Herkules" auf, wie wir sie noch heute sehen. Geryon zu toeten
war kein grosser Akt.
Nun hatte er die gesamte Herde durch den Mittelmeerraum nach
Griechenland zu treiben...
In Suedfrankreich wurde er von einer gigantischen Streitmacht
angegriffen. Eigentlich kein Problem, nur gingen ihm die Pfeile
aus... Papa Zeus half mal wieder aus der Klemme und liess Steine
regnen - diese schleuderte Herkules gegen seine Feinde. Aus.
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Ja, das waere es vertragsmaeßig schon gewesen fuer unseren
Helden. Eigentlich waren nur 8 Aufgaben ausgemacht, ABER: Als er wieder
zurueckkam, wurde er gleich angeklagt:
Beim Kampf gegen die Hydra habe er Hilfe in Anspruch genommen.
Und als er die Staelle des Augias reinigte, wollte Herkules
bezahlt werden... Scheinbar hatte unser Held einen schlechten
Anwalt, denn schon war er auf dem Weg zu zwei weiteren Aufgaben.
Diese waren schwieriger, als alle anderen zuvor ...
11.)
Schon wieder Diebestour: Herkules soll die goldenen aepfel aus
dem Garten der Hera (zufaellig auch seine Erzfeindin) stehlen. Dieser
Garten steht an den Haengen des Atlas.
In der Mitte stand ein Baum mit goldenen Fruechten - ein
Hochzeitsgeschenk von Mutter Erde (Gaia) an Zeus und seine Frau
Hera. Die Hesperiden (Toechter des Atlas) sollten Diebstaehle
verhindern, doch da machte Hera den Bock zum Gaertner... also
wurden sie entlassen und der neue Wachmann war der Drache Ladon
(Sternbild Draco), der sich um den Baum schlaengelte.
Es dauerte ein wenig, bis unser Held am Garten ankam, denn
unterwegs befreite er noch schnell Prometheus von seinen Ketten.
Dieser gab ihm den guten Rat, die aepfel nicht selbst zu
pfluecken, sondern einen Trottel zu finden, der die Drecksarbeit fuer ihn
machen wuerde... aber wo ?
Herkules toetete den Drachen schnell und schmerzlos mit einem
uebermenschlichen Pfeilschuss.
Dann ging er zu Atlas und machte ihm klar, was fuer ein Spaß es
doch waere, die aepfel aus Heras Garten zu stehlen. Atlas war
sofort Feuer und Flamme - nur ein Problem: Wer haelt so lange das
Himmelsgewoelbe ? Denn der Job des Atlas bestand darin, den
Himmel oben zu halten. Herkules - uebernehmen Sie.
Und fast haette Atlas keine Lust mehr auf seine Arbeit gehabt -
und Herkules waere fuer immer der Traeger geblieben. Aber eben
nur fast.
12.)
Eurystheus, der Auftraggeber des Herkules, erlitt einen
tragischen Verlust: Durch die Verkettung ungluecklicher Umstaende
kam sein Meerschweinchen zu Tode - und so sehnte er sich nach
einem neuen kuscheligen Haustier.
Und was laege wohl naeher, als sich Kerberos, den Hoellenhund aus
der Unterwelt, zu wuenschen ?
Wobei: kuschelig war der nicht... Kerberos hatte einen
Drachenschwanz und auf seinem Ruecken kringelten sich Schlangen.
Er war unfreundlich, ungewaschen und extrem beissfreudig.
Gluecklicherweise wurde Herkules bestens durch das umhaengende
Fell des Nemeischen Loewen geschuetzt - und so rang er den Hund nieder
und schleppte ihn zu seinem neuen Herrchen.
Eurystheus war verbluefft - er hatte niemals damit gerechnet, den
groessten Helden der Antike wieder zu sehen. Somit war Herkules
von allen Pflichten befreit.
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Nach seinen schweren Arbeiten ging Herkules in Rente. Er
heiratete Deianeira, die schoene Tochter des Koenigs Oineos. Auf
ihrer Hochzeitsreise musste das Paerchen den Fluss Euneos
ueberqueren. Hier arbeitete der Kentaur Nessos als Faehrmann.
Wahrscheinlich um Geld zu sparen, schwamm Herkules ueber den
Fluss, seine Frau liess er von Nessos uebersetzen.
Dieser war aber von der Schoenheit der Deianeira so begeistert,
dass er versuchte, sie zu vergewaltigen. Vom anderen Ufer aus
beobachtete Herkules das alles - und erschoss den Kentaur mit
einem seiner giftigen Pfeile. Ein zaeher Bursche, denn bevor er
endgueltig den Loeffel abgab, ueberredete er Deianeira noch dazu,
ihm ein wenig von seinem Blut abzuzapfen, da dies einen
"Liebeszauber" inne haette...
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Wer weiss, wie viel Zeit nun verging. Jedoch kam die Zeit, als
die Frau des Herkules auf andere Frauen eifersuechtig wurde. Ob
berechtig oder nicht, niemand kann das sagen. Auf jeden Fall
wuenschte sie sich ein wenig mehr Romantik - und bestrich eines
der Hemden des Herkules mit dem Blut des sterbenden Nessos.
Der Held bemerkte nichts - doch als sich das Blut erwaermte,
wirkte es durch das Gift der Hydra wie eine Saeure. Von wegen
Liebeszauber ... Wild vor Schmerzen rannte er durch das Land,
laut schreiend riss er Baeume aus - eine wahre Tragoedie. Doch er
wusste: Nichts und niemand wuerde ihn von diesen Schmerzen
befreien koennen. Also errichtete er auf dem Berg Oita einen
Scheiterhaufen und verbrannte sich dort selbst.
Sein Koerper verbrannte, aber als Halbgott kam sein unsterblicher
Teil in den Olymp, wo er von seinem Vater Zeus an den Nachthimmel
versetzt wurde. Dort sehen wir ihn mit einer Keule, seiner
Lieblingswaffe.
Manche sagen, seine 12 Arbeiten sind in den 12 Tierkreiszeichen
dargestellt (Widder, Stier, Waage ...) - doch ist es in einigen
Faellen nicht leicht, einen Zusammenhang zu erkennen. Herkules
ist das fuenftgroesste Sternbild am Himmel. In ihm gibt es den
Kugelhaufen M13 - das schoenste Exemplar seiner Art am
noerdlichen Sternhimmel.
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